Verstopfung: Stauung bis zum Stopp
Ob eine Verstopfung vorliegt, ist nicht an der Häufigkeit der Darmentleerung, sondern der Beschaffenheit des Stuhls und den Beschwerden beim Stuhlgang zu erkennen. Wer weniger als dreimal pro Woche Stuhlgang hat, leidet also nicht unbedingt unter Verstopfung. Erst, wenn Beschwerden wie Unwohlsein und Völlegefühl hinzukommen, gibt es Grund zur Sorge.Im Überblick
Ursachen für die Darmfunktion in Zeitlupe
Eines vorweg: Man muss nicht jeden Tag „müssen“. Alles zwischen dreimal täglich und alle drei Tage liegt beim Stuhlgang im normalen Bereich. Damit ist seltener Stuhlgang nicht gleich Verstopfung. Davon spricht man erst, wenn zum seltenen Toilettenbesuch Beschwerden wie Unwohlsein, Völlegefühl und starkes Pressen beim Stuhlgang kommen. Nicht immer sind die Ursachen für eine Verstopfung feststellbar. Häufig wird die Verstopfung aber durch ganz konkrete Faktoren ausgelöst.
Falsche Ernährung: Wer immer nur Weißbrot und viel Kuchen isst, dafür selten Obst und Gemüse, drosselt seine Verdauung auf Sparflamme. Dazu noch wenig Flüssigkeit – und die Verstopfung ist perfekt. Verbessern Sie daher Ihre Ernährungsgewohnheiten: Trinken Sie 2–3 Liter Flüssigkeit am Tag, am besten Wasser oder Tee. Ganz wichtig sind auch
Ballaststoffe. Obst und Gemüse enthalten nicht nur
Ballaststoffe, sondern auch wertvolle
Vitamine.
Ballaststoffe „belasten“ Sie nicht: Sie haben kaum Kalorien, füllen aber den Darm. Das ist ganz wichtig, damit der Darm „etwas zu tun hat“ und nicht zunehmend träger wird. Zusätzliche
Ballaststoffe wie Weizenkleie oder Flohsamenschalen können in Joghurt, Saft und Suppen eingerührt werden.
Bewegungsmangel: Bewegung regt die Verdauungstätigkeit an. Bewegen Sie sich so oft es geht. Bauen Sie jeden Tag 30 Minuten flottes Spazierengehen ein. Wer sich zu wenig bewegt, bekommt schlaffe Bauchmuskeln. Das begünstigt Verstopfung.
Medikamente: Einige Medikamente können eine Verstopfung verursachen. Dazu zählen
Eisenpräparate, Medikamente gegen
psychische Störungen und
Depressionen, Medikamente gegen Parkinson, Beruhigungsmittel, Schlafmittel, Schmerzmittel, Hustenstiller, Präparate gegen Sodbrennen und
Beta-Rezeptoren-Blocker.
Abführmittel: Abführmittel sollten möglichst kurzfristig und so niedrig dosiert wie möglich angewandt werden. Zu hoch dosierte Abführmittel können zu
Kaliummangel führen. Dadurch kann die Darmmuskulatur beeinträchtigt und so die Verstopfung verstärkt werden.
Psychische Faktoren: Einige Menschen reagieren mit Verstopfung, wenn sie in einer ungewohnten Umgebung sind oder fremde Toiletten benutzen müssen. Sie unterdrücken unbewusst ihren Stuhldrang. Stressgeplagte Menschen schaffen sich ihre Verstopfung häufig selbst: Aus vermeintlichem Zeitmangel unterdrücken sie, ebenfalls unbewusst, den Toilettengang.
Darmträgheit: Wenn das Bewegungsvermögen im Darm gestört ist, führt dies zu Verstopfung. Der Speisebrei wird zu langsam weitertransportiert. Dadurch wird dem Speisebrei mehr Wasser als nötig entzogen und der Stuhl wird hart.
Darmverengungen: Der Darm kann an verschiedenen Stellen Verengungen (Stenosen) aufweisen. Dadurch kann es zu Verstopfung kommen.
Andere Erkrankungen: Erkrankungen wie Diabetes, Multiple Sklerose, Parkinson, Schilddrüsenunterfunktion oder Nierenerkrankungen begünstigen Verstopfung.
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Wegen Verstopfung zum Arzt?
Wenn Sie dauerhaft Abführmittel einnehmen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Der ständige Gebrauch von Abführmitteln kann zu Störungen im Salz- und Wasserhaushalt führen. Als Folge wird die Verstopfung noch stärker. Nach Rücksprache mit dem Arzt kann man auch selbst behandeln. Generell gilt für Abführmittel die Empfehlung: Nicht länger als ein bis zwei Wochen einnehmen, egal ob es sich um synthetische oder pflanzliche Präparate handelt. Kinder sollten grundsätzlich nur nach ärztlicher Anweisung Abführmittel bekommen.
Zahlreiche Abführmittel können mit anderen Medikamenten in Wechselwirkung treten. Eine große Rolle spielt dabei der Kaliumhaushalt. Der Dauergebrauch von Abführmitteln verursacht einen Kaliumverlust. Dadurch kann die Wirkung von Herzglykosiden (
Digitalispräparate) verstärkt werden. Kortisonpräparate und Medikamente, die den Wasserhaushalt beeinflussen (
Diuretika), können Kaliumverluste zusätzlich verstärken. Dann kann es zu Herz-Kreislauf-Störungen und zu Muskelerschlaffung kommen.
Antibiotika können dagegen die Wirkung von Abführmitteln aufheben.
Wenden Sie Abführmittel möglichst kurzfristig und in der niedrigsten noch wirksamen Dosierung an: Der Stuhl sollte normal beschaffen sein, nicht extrem weich oder gar wässrig. Werden Abführmittel zu häufig und/oder hoch dosiert eingenommen, erhöht sich auch das Risiko von Folgeschäden: Der Mineralhaushalt gerät ins Ungleichgewicht. Dies äußert sich durch Schweregefühl in den Muskeln, Herz-Kreislauf-Beschwerden und vor allem durch – Verstopfung.
Wenden Sie sich an einen Arzt, wenn
- Sie starke Schmerzen oder heftige Krämpfe im Bauch verspüren
- Ihre Verdauungsbeschwerden längere Zeit anhalten
- Verstopfung und Durchfall abwechselnd auftreten
- Blut oder Schleim mit dem Stuhl ausgeschieden werden
- Sie appetitlos sind und an Gewicht verlieren.
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Riskanter Missbrauch von Abführmitteln
Abführmittel, auch Laxantien genannt, gehören in der Altersgruppe über 60 zu den häufigsten Tabletten auf dem Medikamentenplan. Meist handelt es sich um weibliche Patienten. Ältere Menschen bewegen sich mit zunehmendem Alter weniger und trinken oft nicht ausreichend, also weniger als 1,5–2 Liter am Tag. All das trägt zu einer Verlangsamung der Darmbewegung und Schwierigkeiten beim Stuhlgang bei. Zusätzlich kann die Nebenwirkung vieler Medikamente zu Verstopfung führen.
Abführmittel haben ihre Berechtigung, wenn es trotz ballaststoffreicher Ernährung, Bewegung und ausreichendem Trinken zur wiederholten Darmverstopfung – Mediziner sprechen von Obstipation – kommt; das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn die Darmfunktion durch Hämorrhoiden oder Divertikel physisch beeinträchtigt ist.
Ein regelmäßiger und leichtfertiger Gebrauch von Abführmitteln hat langfristig jedoch nicht zu unterschätzende Folgen, wie Kalium- und Kalziummangel, die ihrerseits wiederum zur Obstipation führen. Kalziummangel begünstigt außerdem die Entwicklung einer Osteoporose, Störungen des Wasserhaushaltes und Flüssigkeitsverlust bis zur Austrocknung. Auch chronische Entzündungen der Darmschleimhaut und Reizdarm können nach langjährigem regelmäßigem Gebrauch von Abführmitteln entstehen.
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So wirken gängige Abführmittel
Bisacodyl wirkt etwa 8–12 Stunden nach der Einnahme. Erfolgt die Anwendung morgens auf nüchternen Magen, kann die Wirkung bereits nach fünf Stunden einsetzen. Zäpfchen führen schneller zur Darmentleerung (nach 30–60 Minuten).
Der Wirkstoff
Natriumpicosulfat wird als Tropfen, Tabletten, Pastillen, Täfelchen oder Kapseln angeboten. Er wirkt nach etwa 4–6 Stunden. Die meisten Medikamente mit diesen Inhaltsstoffen haben einen magensaftresistenten Überzug und sollten daher unzerkaut geschluckt werden.
Bittersalz,
Milchzucker und
Macrogol, auch Polyethylenglycol genannt, zählen zu den wasserbindenden Abführmitteln. Salze können bei längerer Anwendung den Mineralstoffhaushalt durcheinanderbringen. Zucker kann im Darm durch
Bakterien gespalten werden, wodurch vermehrt Gase entstehen können. Deshalb reagieren manche Menschen auf diese Stoffe mit starken Blähungen. Macrogol wird nicht aus dem Darm in den Körper aufgenommen, nicht von
Bakterien gespalten und unverändert ausgeschieden. Durch die gute Verträglichkeit eignet es sich gut zur Behandlung der chronischen Verstopfung.
Glyzerin-Zäpfchen werden nicht ins Blut aufgenommen und eignen sich deshalb auch zur Behandlung von Verstopfung bei Kindern und Schwangeren. Die Wirkung setzt 20–30 Minuten nach der Verabreichung ein.
Bei bestehenden Darmerkrankungen sollten Sie nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt Abführmittel anwenden.
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Ballaststoffe und Tees bringen den Darm in Schwung
Flohsamenschalen,
Weizenkleie und
Leinsamen enthalten Ballaststoffe, die Flüssigkeit im Darm binden. Der Stuhl wird voluminöser und weicher, dadurch kommt der Darm in Bewegung. Es dauert allerdings einige Tage, bis die Wirkung einsetzt. Manche Menschen reagieren auf zusätzliche
Ballaststoffe mit Blähungen.
Naturheilmittel, die
Sennesblätter oder
Sennesfrüchte,
Aloe oder
Faulbaumrinde als Hauptwirkstoff enthalten, wirken stark abführend. Wenden Sie diese Naturheilmittel abends nach dem Essen an. Sie wirken innerhalb von 8–12 Stunden. Am nächsten Morgen ist also mit Stuhlgang zu rechnen.
Sennesblätter und -früchte sollten – wie alle Abführmittel – nicht länger als zwei Wochen angewandt werden.
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Mittel gegen Verstopfung: Einläufe
Einläufe werden nicht nur bei Verstopfung, sondern auch zum Abführen vor Geburten oder vor Untersuchungen des Darms angewandt. Mithilfe eines
Klistiers wird Flüssigkeit über den After in den Darm gepresst. Dadurch wird die Darmtätigkeit angeregt. Die Wirkung setzt spätestens nach 20 Minuten ein.
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Gegen Verstopfung können auch Schüßler-Salze zum Einsatz kommen
Verstopfung allgemein:
Schüßler-Salz Nr. 3 (Ferrum phosphoricum) D6
Verstopfung mit weißer belegter Zunge, hellem Stuhl, Unverträglichkeit von Fett und Süßigkeiten:
Schüßler-Salz Nr. 4 (Kalium chloratum) D6
Verstopfung mit Blähungskoliken, hartem Stuhl, Schmerzen am After vor und nach dem Stuhlgang, Völlegefühl:
Schüßler-Salz Nr. 10 (Natrium sulfuricum) D6
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