Die Entzündung von innen lindern
Intensivere Behandlungsmaßnahmen mit Medikamenten zum Einnehmen sind immer dann notwendig, wenn die äußerlichen Therapien nicht mehr ausreichen. Dabei handelt es sich vor allem um hochwirksame, verschreibungspflichtige Arzneimittel, die vor allem den Entzündungsprozess unterbrechen sollen.Reicht bei Patienten mit Psoriasis die äußerliche Therapie mit Salben, Cremes, Bestrahlung und Bädern nicht mehr aus oder kommen Gelenkbeschwerden (Psoriasis-Arthritis) hinzu kann eine innerliche, medikamentöse Behandlung nötig werden. Für die systemische Therapie der Schuppenflechte eignen sich je nach Schweregrad und Rückfallhäufigkeit verschiedene Medikamente. Dabei hat das Verständnis der Entstehung der Erkrankung in den letzten Jahren deutlichen Fortschritt gebracht: Sogenannte Biologika oder Biologics setzen direkt bei der Ursache der Hauterkrankung an, indem sie übereifrige Zellen des Immunsystems hemmen.
Wirkstoffe zur medikamentösen Therapie
Es gibt verschiedene Wirkstoffe gegen Schuppenflechte zur innerlichen Anwendung:
Retinoide (Acitretin)
Systemische Retinoide (Vitamin-A-Säure-Abkömmlinge) kommen seit den 1970er Jahren in der Psoriasis-Therapie zum Einsatz. Den Wirkstoff Acitretin gibt es als Kapsel zum Einnehmen. Im Vergleich zu anderen systemisch wirksamen Medikamenten haben Retinoide deutliche Schwächen: Nur wenige Patienten werden allein dadurch annähernd beschwerdefrei. Meist wird das Mittel daher in Verbindung mit einer Lichttherapie verordnet.
Trockene Haut, rissige Lippen, Nasenbluten und Haarausfall sind häufige Nebenwirkungen von Acitretin. Außerdem kann der Wirkstoff Leber und Nieren stark belasten. Frauen, die schwanger werden möchten, dürfen Retinoide nicht einnehmen, da sonst Schäden für das Kind drohen. Besonders gut wirken Retinoide bei der seltenen Psoriasis pustulosa.
Fumarsäureester
Fumarsäureester ähneln einem Stoffwechselprodukt des Körpers, der Fumarsäure. Sie wirken antientzündlich, in dem sie die Bildung von entzündungsfördernden
Zytokinen hemmen. Anders als bei Kortisonpräparaten kommt es beim Absetzen des Medikaments nicht zum Rebound oder vermehrter Neigung zu Infektionen. Für die Behandlung mit Tabletten gibt es ein festes Schema, dabei wird die Dosis langsam gesteigert. In der Regel dauert die Therapie zunächst drei bis vier Monate. Die Kombination mit Wirkstoffen zur äußerlichen Anwendung ist sinnvoll, zum Beispiel mit Vitamin-D3-Analoga. Typische Nebenwirkungen der Fumarsäureester sind eine Rötung des Gesichts mit Hitzegefühl (Flush), Magen-Darm-Beschwerden, Blutbildveränderungen und vorübergehende Leber- und Nierenfunktionsstörungen. Daher muss der Arzt während der Behandlung regelmäßig Blutbild, Nieren- und Leberwerte kontrollieren. Absolute Gegenanzeigen für das Medikament sind Schwangerschaft und Stillzeit, schwere Leber- und Nierenschäden sowie schwere chronische Darmerkrankungen.
Methotrexat (MTX)
Niedrig dosiert wirkt Methotrexat (MTX) entzündungshemmend und greift in den Zellstoffwechsel ein, indem er die Verwertung des Zellbausteins Folsäure (Folatantagonist) und damit die Zellteilung hemmt. In hohen Dosen wird der Wirkstoff auch als
Zytostatikum in der Krebstherapie eingesetzt. In Deutschland ist das Medikament seit 1991 zur Behandlung schwerer Formen der Schuppenflechte und der Psoriasis-Arthrose zugelassen.
MTX ist vor allem zur Langzeitbehandlung geeignet, die Wirkung setzt ein bis zwei Monate nach Therapiebeginn ein. Dabei können schwere Nebenwirkungen auftreten, die Schäden an Nieren, Leber, Lunge und Knochenmark sowie Magen-Darmgeschwüre verursachen können. Um solche Nebenwirkungen rechtzeitig zu erkennen, muss der Arzt regelmäßig Blutbild, Leber- und Nierenwerte kontrollieren. Oftmals kann auch eine zusätzliche Gabe von
Folsäure nötig sein. Absolute Gegenanzeigen für MTX sind Funktionsstörungen der Leber, Alkoholkonsum, Kinderwunsch (auch bei Männern) und eine Schwangerschaft. Vorsicht geboten ist auch bei
Impfungen
Lebendviren während der Therapie.
Ciclosporin
Zu Behandlung der Schuppenflechte ist ein Calcineurininhibitor, der Wirkstoff Ciclosporin seit 1993 in Deutschland verfügbar. Das Medikament steht als Kapsel oder Trinklösung zur Verfügung und muss täglich eingenommen werden. Die Wirkung ist meist nach einem Monat spürbar. Das Medikament unterdrückt das Immunsystem und wird auch verwendet, um nach einer Organtransplantation die Abstoßung zu verhindern. Unter der Behandlung mit Ciclosporin kann es zu Störungen der Nieren- und Leberfunktion kommen. Möglich sind auch Blutdruckanstieg und Magen-Darm-Beschwerden. Vorsicht geboten ist auch hinsichtlich der Wechselwirkungen mit anderen Therapieoptionen: Zahlreiche Medikamente vertragen sich nicht mit einer Ciclosporin-Einnahme. Patienten, die lange Zeit mit UV-Licht behandelt wurden, sollten wegen des Hautkrebsrisikos auf Ciclosporin verzichten.
Leflunomid
Speziell für die Psoriasis-Arthritis ist seit 2004 der Wirkstoff Leflunomid zugelassen. Er wird als Basistherapeutikum bei Patienten mit Betonung der Gelenkbeschwerden eingesetzt, da es hier wirksamer ist als gegen die Symptome der Haut. In der Regel bessern sich die Beschwerden zwei bis drei Wochen nach Beginn der Therapie. Mögliche Nebenwirkungen von Leflunomid sind Leberschädigungen, Blutarmut oder ein Mangel an
Leukozyten (weißen Blutkörperchen), leichte allergische Reaktionen, Magen-Darm-Beschwerden,Haarausfall und Kopfschmerzen. Außerdem kann Leflunomid Fehlbildungen beim ungeborenen Kind hervorrufen. Deshalb müssen Frauen während und bis zu zwei Jahre nach der Therapie verhüten – Männer während und bis zu drei Monate nach der Therapie.
Auf keinen Fall sollten andere leberschädigende Substanzen wie beispielsweise MTX zusammen mit Leflunomid eingenommen werden – und auf Alkohol sollte gänzlich verzichtet werden.
Eine spezielle Wirkstoffgruppe: Die Biologika (Biologics)
Auf der Basis der neusten Entdeckungen bei der Psoriasis-Entstehung haben Forscher mithilfe der Gentechnik eine neue Medikamentengeneration entwickelt, die sogenannten Biologika oder Biologics. Bei dieser Wirkstoffgruppe handelt es sich um biotechnologisch erzeugte Eiweißkörper. Bei der Schuppenflechte werden beispielsweise
monoklonale Antikörper, die entzündungsfördernde Botenstoffe blocken können, eingesetzt. Sie kommen allerdings nur als Behandlungsoption in Frage, wenn alle anderen Therapie-Versuche scheitern oder nicht möglich sind.
Etanercept
Bei schweren Formen der Plaque-Psoriasis kann Etanercept helfen. Dieses Mittel ist ein sogenannter TNF-α-Blocker: es neutralisiert den
Tumornekrosefaktor-alpha, einen speziellen Entzündungsbotenstoff (Zytokin), der bei der Zellteilung freigesetzt wird. Das Mittel wird einmal wöchentlich intrakutan gespritzt und beginnt nach ein bis zwei Monaten zu wirken. Häufigste Nebenwirkungen sind Hautreizungen an der Einstichstelle. Auch Kopfschmerzen, Müdigkeit, Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen und Hautrötungen können auftreten. Während der Behandlung kontrolliert der Arzt Blutbild, Leber- und Nierenwerte und Urin. Gegenanzeigen für das Medikament sind Infektionen.
Infliximab
Infliximab ist ein monoklonaler Antikörper gegen den
Tumornekrosefaktor-α (TNF-α-Blocker). Infliximab ist seit 2005 zur Behandlung der Schuppenflechte zugelassen. Er wird als Infusion stufenweise im Abstand von zwei bis acht Wochen verabreicht und wirkt bereits nach ein bis zwei Wochen. Das Medikament ist hochwirksam, bei 80 Prozent der Patienten verbessert sich das Beschwerdebild deutlich.
Gegenanzeigen für Infliximab sind chronische Infektionen, insbesondere Tuberkulose, schwere Herzleiden sowie Schwangerschaft und Stillzeit. Als Nebenwirkungen können während und nach der Infusion Atemnot, Nesselsucht und Kopfschmerzen auftreten. Das Medikament kann die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen. Blutbild und Leberwerte müssen ständig kontrolliert werden.
Weiterhin sind für die Behandlung der Schuppenflechte die Biologika Adalimumab (Ustekinumab, Golimumab) zugelassen.
Adalimumab
Der Wirkstoff Adalimumab ist auch ein monoklonaler Antikörper gegen den
Tumornekrosefaktor-α (TNF-α-Blocker) und sowohl für die Psoriasis vulgaris, als auch für die Psoriasis-Arthritis zugelassen. Es wird in der Regel bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis eingesetzt, wenn andere systemische Therapien, wie Ciclosporin, Methotrexat oder PUVA, nicht das gewünschte Ergebnis gebracht haben oder nicht vertragen werden. Adalimumab wird bei aktiver und progressiver Psoriasis-Arthritis bei Erwachsenen eingesetzt, wenn eine vorher durchgeführte Basistherapie nicht ausreichend wirksam war. Es wird in regelmäßigen Abständen vom Arzt subkutan injiziert. Mögliche Nebenwirkungen sind dabei Schmerzen, Schwellung oder Juckreiz an der Einstichstelle. Oft treten Blutdruckerhöhungen, Infekte des Atmungsapparates oder der Harnwege auf – manchmal kommt es sogar zu schweren Infektionen wie einer Sepsis. Außerdem ist ein erhöhtes Krebserkrankungsrisiko nicht ausgeschlossen.
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